Lasst uns aufeinander achthaben

Liebe Leser*innen,

in der Bergpredigt gibt es einen Abschnitt, in dem Jesus Abschnitte der Tora, der ersten fünf Bücher Mose auslegt. Vielleicht kennt man die Formulierung „Ich aber sage euch“. Es wurde lange behauptet, Jesus würde hier die alten jüdischen Gesetze verwerfen und seine eigenen Gesetze entgegenstellen. Die Behauptung lässt sich bei einem genaueren Blick nicht halten. Denn Jesus legt die Gesetze aus. So wie viele Rabbiner es zu seiner Zeit, vor und nach ihm getan haben. Viele davon mit einer ähnlichen Formulierung. „A hat gesagt …, B hat gesagt …, ich aber sage euch …“
Damit wird also eine Auslegung neben andere Auslegungen gestellt. Und das macht Jesus hier auch. Er ist damit auch keinesfalls alleine. Es gab zur Zeit Jesu viele Rabbiner, die eine ähnliche Meinung hatten. Gerade mit denen scheint Jesus am schärfsten diskutiert zu haben. Wie das so ist. In der eigenen Gruppe/Partei/Familie streitet man am lautesten.

Vielleicht ist es angemessener, wenn wir nicht sagen „ich aber sage euch“, sondern „und ich sage euch“.

„Ja, das ist ein tolles Bild, das Du gemalt hast, aber der Mann hat drei Arme.“ klingt ganz anders als „Ja, das ist ein tolles Bild, das Du gemalt hast und der Mann hat drei Arme.“

„Das war ein schöner Tag, aber jetzt gehe ich noch an den Schreibtisch.“
„Das war ein schöner Tag und jetzt gehe ich noch an den Schreibtisch.“

„Das war eine tolle Predigt, aber sie war nur sieben Minuten lang.“
„Das war eine tolle Predigt und sie war nur sieben Minuten lang.“

„Der Gottesdienst hat mir gut gefallen, aber er war ganz anders als bei uns.“
„Der Gottesdienst hat mir gut gefallen und er war ganz anders als bei uns.“


„Und“ statt „aber“: Wir können plötzlich das eine gelten lassen ohne es durch etwas anderes abzuwerten. Manchmal schaffe ich, das im Alltag durchzuziehen. Am meisten bewirkt es für mich übrigens, wenn ich mich zwischendurch korrigiere. Wenn ich einen Satz mit „aber“ denke und dann das „und“ einfüge. So verändert sich durch meine Sprache auch meine Einstellung.

Vielleicht kann das auch ein Modell für die Zusammenarbeit der Kirchengemeinden Bevern, Elm und Hesedorf sein. Nicht „Wir in Bevern machen das aber so“. Sondern „Ach, ihr macht das so? Und wir machen das so.“ Und wahrscheinlich ist etwas dabei, was wir voneinander abgucken können.

„Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken“ hieß der Monatsspruch für November 2021.

Mit diesem Vorhaben grüßt herzlich

Kristian Goletz

Kristian Goletz
Tel.: 04767 217